Kleine Kirchengemeinden sind die doppelten Verlierer

In ihrer Septembersitzung hat die Synode des Kirchenkreises Nordfriesland eine neue Finanzsatzung beschlossen. Ein für die Kirchengemeinden wesentlicher Bestandteil der Finanzsatzung ist der Schlüssel für die Finanzzuweisungen aus Kirchensteuern an die Kirchengemeinden. Hier gab es unter anderem zwei Änderungen bei den Kriterien. Während bisher die Größe (Fläche) einer Gemeinde eine Rolle spielte, fällt dieses Kriterium künftig weg. Stattdessen wird als neues Kriterium die Zahl der Gesamtbevölkerung einer Gemeinde genutzt. Für die Kirchengemeinden, die weniger als 500 Gemeindeglieder und entsprechend geringe Gesamtbevölkerung haben, ist dies fatal. Die Kirchengemeinde Rodenäs, die zum Stichtag 248 Gemeindeeglieder hat und eine Gesamtbevölkerung von 407 Personen vorweisen kann, verliert auf diese Weise 10% der ohnehin schon knapp bemessenen Finanzzuweisung.

In echten Zahlen heißt das: Für das Jahr 2018 erhielt die Kirchengemeinde Rodenäs eine Zuweisung in Höhe von 16.586,00 € für 2019 werden es nur noch 15.210,25 € sein. Da wir so gut wie keine eigenen Einnahmemöglichkeiten haben, sind wir auf die Zuweisung aus Kirchensteuermitteln angewiesen. Wir wollen nicht mehr, als unsere 800 Jahre alte denkmalgeschützte Kirche erhalten und ein bescheidenes kirchliches Leben in unserem Ort aufrecht erhalten. Dazu reichen die uns zur Verfügung gestellten Mittel aber nicht aus. Wenn wir die nicht gedeckten Kosten aus unserer allgemeinen Rücklage decken, sind wir spätestens im jahr 2025 pleite. Dabei sind die kleinen Gemeinden eigentlich gar nicht bedürftig. Das zeigt sich sehr anschaulich am Beispiel der Kirchengemeinde Rodenäs. Wie man unter dem Stichwort „Landverpachtung“ auf unserer Website sehen kann, besitzt die Kirchengemeinde ca. 41,5 ha so genanntes Pfarrland. Eine aus dem Mittelalter stammende Regelung, wonach die Pachterlöse aus Pfarrland über den Kirchenkreis an die allgemeine Pfarrbesoldung abzuführen sind führt aber dazu, dass wir jährlich diese Pachteinnahmen abzüglich 5% für unsere Verwaltungsaufwendungen abgeben müssen.

Schaut man sich diese „Pfarrland-Regelung“ und ihre Auswirkungen einmal genauer an, kommt man zu folgenden Ergebnis: Die kleine Kirchengemeinde Rodenäs überweist pro Jahr und pro Gemeindeglied 56,45 € aus der Pfarrlandverpachtung an den Kirchenkreis. Der Kirchenkreis nimmt aus den insgesamt 65 Kirchengemeinden aber nur 5,86 € pro Jahr und Gemeindeglied ein. Das heißt, dass insbesondere die größeren und großen Kirchengemeinden entsprechend wenig bis gar nichts aus Pfarrlandverpachtung an den Kirchenkreis abführen.

Wir fühlen uns als kleine und somit stark betroffene Kirchengemeinde in doppelter Weise ungerecht behandelt. Die aus dem Mittelalter stammende Pfarrlandregelung scheint zumindest in der Nordkirche „in Stein gemeisselt“. Niemand kann das nachvollziehbar erklären und niemand kann uns sagen nach welchen Kriterien Ländereien in die Kategorie „Pfarrland“ und welche in die Kategorie „Kirchenland“ eingestuft wurden, deren Pachterlöse die Kirchengemeinden behalten dürfen, wenn sie denn Kirchenland besitzen.

Wir wollen diese offensichtliche Ungerechtigkeit nicht hinnehmen und machen sie hiermit öffentlich. Wir haben auch wirklich nichts zu verlieren.

Wir haben inzwischen damit begonnen mit anderen, ebenfalls betroffenen Kirchengemeinden Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam zu beraten wie wir zu gerechteren Lösungen kommen können. Als einzelne Gemeinde hat man keine Chanche. Gemeinsam könnten wir stark sein.

Daher möchten wir den Kolleginnen und Kollegen in Kirchengemeinderäten, denen es ähnich geht, Mut machen sich bei uns zu melden.

Wir sind auch an Meinungen und Einschätzungen von Experten für Kirchenrecht interessiert, wobei klar sein dürfte, dass wir uns  Aufträge für Gutachten und Expertisen im klassischen Sinne nicht leisten können.

Für den Kirchengemeinderat Rodenäs

Christoph Marschner

Vorsitzender

E-Mail: marschner@kirche-rodenaes.de